Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: Kailash (30. März 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3424630012
ISBN-13: 978-3424630015
An sich ist das Vice Versa Tarot oder auch das New Vision Tarot nichts besonderes und gleichzeitig eine Revolution. Es ist eben nicht deswegen etwas besonderes, weil es an sich ein weiterer Rider Waite/Smith Klon ist. Denn genau aus diesem Deck stammen die Bilder. Und zugleich ist es eine Revolution, weil es aus einem völlig anderen Blickwinkel die Bilder zeigt. In diesem Set erhält man eben dieses Tarotdeck mit einem Buch von Hajo Banzaf und Susanne Zitzl.
Das Tarotdeck:
Es ist ein normales Tarotdeck mit den bekannten 78 Karten. Die Karten sind groß genug, dass sie bequem in der Hand liegen, aber nicht zu groß, als das sie unangenehm beim mischen sind. Für mich ein sehr wichtiges Kriterium.
Die Bilder sind sehr stark gezeichnet und man erkennt darin auch Menschen, was manchmal beim Original doch schon fehlt (dort wirkt alles ein wenig oberflächlich). Das besondere ist eben, da es sich dem Thema des Rider Waite/Smith Tarots widmet, dass man im Vice Versa Tarot, die Bilder erkennt und sofort weiß, aha, dass Bild kenne ich und sehr interessant, wie es von der anderen Seite aussieht. Es ist eben bekannt und man entdeckt dadurch eine völlig neue Welt.
Das möchte ich kurz an zwei oder drei Beispielen erklären.
Die Hohepriesterin sitzt in ihren Thron zwischen zwei Tempeln. Man weiß nicht, was hinter ihr vor sich geht, also was ist hinter dem Vorhang los. Und wohin schaut sie? Bisher dachte ich immer, sie schaut letztendlich die Betrachterin oder den Betrachter an. Beim Vice Versa Tarot hingegen sieht man, dass die Hohepriesterin aufs Meer hinausschaut und hinter ihr zwei Novizinnen zu finden ist. Aber man erkennt auch, dass der Vorhang an einer Seite heruntergelassen ist. Man kann also sagen, die Bilder von beiden Decks sind nicht zeitgleich. Im Original ist es zu einem bestimmten Zeitpunkt gezeichnet, dass Vice Versa Tarot hingegen spielt zumindest eine Minute später. Denn so ein Vorhang muss erst einmal abgehangen werden.
Ein weiteres Beispiel ist die Karte 6 Scheiben/Pentakel/etc.. Hier sieht man einen wohlhabenden Mann, welche den armen Menschen einige Münzen gibt. Schauen wir mal von hinten auf das Bild, sehen wir einen Riss in der Jacke. Der Mann ist aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr zu wohlhabend, wie wir all die Jahre (nun gut, einhundert Jahre
)dachten. Denn wenn er wohlhabend ist, warum kann er sich dann keine neue Jacke leisten?
Alles in allem kann man am Tarotdeck nichts meckern. Zumindest fällt mir dabei nichts auf. Gut, einige Karten wurden herangezoomt, andere scheinen sich Wochen oder gar Monate später abzuspielen, aber letztendlich handelt es sich hierbei auch um künstlerische Freiheit.
Mein Tipp: Wenn ihr euch das Deck besorgt und das Rider Waite/Smith Tarot (egal welche Ausgabe) zur Verfügung habt, dann schaut euch beide Decks gleichzeitig an. Ich fand das sehr interessant.
Das Buch:
Das Handbuch wurde im Kailash Verlag veröffentlicht. Es handelt sich hierbei um ein Hardcover und vom Layout oder auch vom Bild an sich, gibt es nichts zu meckern.
Das Buch wird mit der Frage eingeführt, wie lege ich überhaupt Karten und diese entsprechend beantwortet. Wie mische ich die Karten, wie lege ich sie aus und so weiter und so fort. Alles wichtige Informationen, gerade für Menschen, die gerade in das Thema Tarot einsteigen.
Danach kommen einige Legemuster mit dem Hinweis, welche Schwierigkeitsstufe sie haben, welche Fragen man stellen sollte und einige Hinweise (neben dem Bild des Legemusters und welche Position was benötigt).
In diesem Teil findet man immer wieder Fußnoten zu anderen Publikationen von Hajo Banzaf. Mit dieser Entscheidung kann man im Grunde genommen nichts richtig machen. Hätte er die Informationen, welche er hier nicht gibt aber in den anderen Büchern nachlesbar sind, veröffentlicht, hätten sich einige darüber beschwert. Andere werden sich beschweren, dass man nun zwei bis drei weitere Bücher kaufen müsste um nachzuvollziehen, was die AutorInnen nun meinen. Das sei letztendlich jeder/jedem selber überlassen.
Der Hauptteil des Buches machen die Kartenbedeutungen aus. Das ist man im Grunde genommen schon gewohnt. (In der Leseprobe auf der Veralgsseite findet man leider kein Beispiel dazu).
Jeder Karte werden zwei Seiten gewidmet (sogar der kleinen Arkana). Zuerst sieht man die Karte aus dem Vice Versa Tarot und daneben (ein wenig kleiner) ein Bild aus dem Universal Waite Tarot. So kann man jederzeit beide Decks miteinander vergleichen und die Ähnlichkeiten aber auch die Unterschiede erkennen.
Dann wird das ursprüngliche Motiv kurz erläutert. Besonderheit im Vice-Versa Tarot folgt dann in der Beschreibung. Auf der rechten Seite werden dann die Grundbedeutungen der Karten kurz dargestellt:
- Allgemein
- Liebe und Beziehung
- Beruf
- Spirituell
- Als Ratschlag
- Als Warnung
Und in einem Extrakästchen eine kurze Erläuterung, was der verborgene Blick erklärt.
Zum Abschluss gibt es noch ein Anhang welche zwei Deutungsbeispiel erläutert werden, eine Literaturliste und eine Kurzvorstellung der AutorInnen.
Ich muss zugeben, dass Buch hat meinen Erwartungen an ein deutsches Tarotbuch voll erfüllt. Was aber nicht unbedingt was gutes bedeuten muss. Denn während ich von englischsprachigen Tarotbüchern völlig hin und weg bin, bewegen sich deutsche AutorInnen in diesem Gebiet an bestimmte Vorlagen, welche sich scheinbar nicht wagen, ein wenig frecher zu werden.
Zumal es bei diesem Tarot durchaus angebracht gewesen wäre (ich muss zugeben, ich weiß nicht ob es an den AutorInnen selber oder an den Verlagen liegt, vielleicht wollen die auch nicht andere Bücher veröffentlichen). Denn auf die Thematik Vice Versa Tarot wurde kaum eingengangen. Warum finden wir auf der Rückseite der Bilder genau die Elemente, die dort angebracht sind? Darüber werden nur wenige Worte verwendet. Bei mir bleiben am Ende der Lektüre einer jeden Karte einfach zu viele Warums übrig.
Man muss sich schon fragen, ist es notwendig, die Karten des Rider Waite/Smith Tarots überhaupt zu beschreiben und nicht eine weitere Fußnote zu verwenden, wo man entsprechende Informationen erhalten kann und sich mehr auf das Vice Versa Tarot zu konzentrieren? Oder hätte man den Platz auf der rechten Seite, die manchmal eine halbe Seite lang sind, nicht dafür verwenden können um noch einige Informationen einzubauen?
Das Buch ist draußen und man wird es nie erfahren, warum es so und nicht anders veröffentlicht wurde, leider.
Aber man kann natürlich selber Erfahrungen einschreiben, und ich meine das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der oben beschriebene Platz kann natürlich dafür verwendet werden um mit Bleistift, oder wer mutig genug ist sogar mit einem Kugelschreiber, sich im freien Platz Notizen zu machen.
Mein Fazit:
Es ist natürlich eine sehr individuelle Entscheidung sich das Buch mit dem Deck zu zulegen oder sich für ein anderes Deck zu entscheiden. Bilder als Vorlage gibt es im Internet genug oder schaut euch das Video oben an.
Vom Deck selber bin ich begeistert. Ich selber kann im Moment nicht sagen, ob ich damit arbeiten werde, aber auf alle Fälle findet es Eingang in meiner Schreibarbeit.
Das Buch selber ist nicht ganz das, was ich mir gewünscht habe, erfüllt aber meine Erwartungen an ein deutsches Tarotbuch (tut mir Leid, dass zu sagen, ich wurde aber von einigen sehr großartigen Werken aus Amerika diesbezüglich versaut). Alles in allem reicht es aber aus um AnfängerInnen ein gültiges Werk in den Händen zu geben, damit man sofort loslegen kann. In dem Sinne, trotz allem ein Rundumsorglos Paket.
Weitere Informationen:
- tarot.de (Die Internetseite von Hajo Banzaf)
- Wasserfrau (Die Internetseite von Susanne Zitzl)
- Kailash (Die Verlagsseite)
- Kailash – Der verborgene Blick (der direkte Link zum Buch mit Vorschau)